Das Netzwerk im Diskurs

 

Die Wochen rund um die Einheitsfeiern am 3.10 waren für das Netzwerk sehr ereignisreich. Wir bedanken uns herzlich bei den Engagierten, die die hier gelisteten Fernsehauftritte, Interviews, Reportagen, Debattenbeiträge, Podiumsdiskussionen usw. ermöglichten:

2020_08_31 Adriana Lettrari diskutiert mit Kevin Kühnert in der RBB Abendschau über 30 Jahre Deutsche Einheit

2020_09_02 Zusammen mit Das Nettz organisierte Jeannette Gusko einen digitalen Stammtisch mit über 50 Teilnehmenden zum Thema Hass im ländlichen Raum

2020_09_16 Das Portrait über Kerstin Kinszorra zum MDR-Projekt "Generation Umbruch" wird veröffentlicht.

2020_09_19 Unser 5. Generationsgipfel findet in der HHL in Leipzig statt.

2020_09_21 Auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum diskutieren bei der Eröffnung Adriana Lettrari mit Franziska Giffey, Steffen Mau, Thomas Brockmeier und Gastgeber Frank Nehring zum Thema: "Wie wir die Krise gemeinsam meistern".

2020_09_24 Bei der Tagung "Umbruch oder Abbruch - Was hat uns die friedliche Revolution gebracht?" der Landeszentrale für politische Bildung organisieren und moderieren Kerstin Kinszorra und Adriana Lettrari ein Panel zu Transformationskompetenz

2020_09_28 Insgesamt 111 Personen zeichnen unseren Aufruf "Von der Stimme zum Einfluss"

2020_09_29 Jeannette Gusko spricht mit RadioEins über die Eliten in Ostdeutschland

2020_09_29 Jeannette Gusko als Wendekind im Portrait von Frontal 21

2020_09_29 Im Inforadio spricht Adriana Lettrari über die Transformationskompetenz der Ostdeutschen

2020_10_02 Mit der Tagesschau sprach Jeannette Gusko darüber, wie wir ganz konkret den Anteil ostdeutscher Eliten erhöhen, zu ostdeutschen Zukunftskompetenzen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Strategien für den Kampf gegen Rassismus & Klimawandel.

2020_10_02 Auf dem #CE20 moderiert Jeannette Gusko die Session zum Thema Hass im ländlichen Raum

2020_10_03 Auf der Konferenz "30 Jahre Deutsche Einheit" diskutiert René Sternberg das Repräsentationsdefizit Ostdeutscher.

2020_10_03 Kerstin Kinszorra in einem langen Portrait des MDR-Reihe Generation Umbruch

2020_10_03 Nadine Bruder und Torsten Menzel diskutieren im DLF zu "Einkommen, Karriere-Chancen, Gender-Gap | Wie groß sind die Ost-West-Unterschiede tatsächlich noch?"

2020_10_03 Adriana Lettrari hält die Festrede im Dom zu Brandenburg. Darin rückte sie die Dritte Generation Ost in den Fokus. Die @maz_online schreibt im Anschluss, dass sie Akzente gesetzt hat.

2020_10_05 Jeannette Gusko im Tagesspiegel

2020_10_06 Auf der Veranstaltung DeZIM meets taz diskutiert Jeannette Gusko auf einem digitalen Panel zum Thema "Ostdeutsche und die deutsche Einheit"

2020_10_07 Katrin Cholotta wird vom WDR über die Potenziale der Wendekinder befragt.

2020_10_14 Jeannette Gusko kommentiert im @DLF aus ostdeutscher Perspektive den solidarischen Vorstoß #ichwill.

2020_10_15 Claudia Geist und Jeannette Gusko beteiligen sich mit einem Debattenbeitrag bei der Kampagne #ichwill und fordern eine Mindestbeteiligung von Frauen in Vorständen.

2020_11_18 Im Rahmen des Generationsgipfels am 19.09.2021 wurden ein paar von uns vom MDR interviewt. Ein paar Aussagen finden sich in der MDR-Doku „Was will der Osten“ wieder.

2020_11_25 Online diskutierte René Sternberg mit Teilnehmer*innen der Volkshochschule Bad Dürkheim über die Frage "Wie tickt der Osten 30 Jahre nach der Wiedervereinigung? - Gibt es "den Osten" überhaupt?


Von der Stimme zum Einfluss: Mit den Kompetenzen der Dritten Generation Ost in die Zukunft

Die 30. Jährung der Deutschen Wiedervereinigung ist die Zeit der massiven temporären Sichtbarkeit Ostdeutschlands. Was wurde erreicht? Was ist gelungen, was nicht? Gibt es eine Spaltung? Was fehlt dem Osten noch? Und warum wächst nicht schneller zusammen, was doch zusammen gehört?

Wir, die Netzwerkcommunity 3te Generation Ostdeutschland, stehen 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution in der Mitte unseres Lebens. Wir wollen deshalb nicht mehr allein die Fragen aus der Vergangenheit diskutieren, sondern Antworten für die Zukunft geben. Wir haben in den letzten zehn Jahren unsere Herkunft erst biografisch erörtert, dann reflektiert und sie uns letztlich erobert. Mit dieser Erfahrung der Bewältigung eines epochalen Umbruchs - unserer Transformationskompetenz - gestalten wir nun die Zukunft. Wir treten selbstbewusst das Erbe an, denn der Generationswechsel steht sichtbar bevor. Wir übernehmen Verantwortung für die Gestaltung der Transformationen des 21. Jahrhunderts.

Wir rücken die Potenziale der ostdeutschen Region und ihrer Menschen in den Fokus. Denn aus den ostdeutschen Regionen kann der Rest des Landes viel lernen. Die hier gemachten Erfahrungen und dadurch erworbenen Fähigkeiten sind eine der größten ungehobenen Ressourcen Deutschlands und Europas. 

Wir Wendekinder repräsentieren dabei die Perspektive derjenigen, die in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR geboren und im Transformationsraum Ostdeutschland aufgewachsen sind. In den Jahren nach der Wende wuchsen wir am Scharnier zwischen und in zwei Systemen auf. Dabei haben wir spezifische Erfahrungen gesammelt, die wertvoll sind für unsere heutige Gesellschaft, die stets im Wandel ist. 

Der epochale Umbruch - wer wacht schon mit einem neuen Pass in einem neuen Land auf, ohne sich vom Fleck zu bewegen - ließ uns ins Offene gehen, nach vorn, wir waren zuversichtlich und sind es noch. Wir hinterfragen kritisch den Status Quo. Wir fragen nach Sinnhaftigkeit und warten nicht, dass es jemand anderes tut, sondern wir packen an. Unser Denken und Handeln zeichnet sich wissenschaftlich belegt durch Mut, Veränderungsbereitschaft, Pragmatismus und Teamwork aus. Wir streben Führung bewusst an, um gestalten zu können. Dabei zählt für uns die Sachorientierung. Status ist für uns seit jeher zweitrangig. 

Wir können und wollen mit den Lösungen und immer gleichen Perspektiven der Vergangenheit nicht die Fragen der Zukunft beantworten. Generationsübergreifende Herausforderungen wie der Klimawandel, die digitale Transformation aller Lebens- und Arbeitsbereiche, die Care Work Revolution oder der Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus, diese Herausforderungen können wir nicht mit group think undurchlässiger Eliten bewältigen. Die Corona-Pandemie führt uns eindrücklich vor Augen, dass Altbewährtes vielleicht kurzfristig Symptome lindert, wir jedoch gegen strukturelle soziale Ungleichheit und für die Bewältigung der kommenden Aufgaben mehr Offenheit, Perspektivenvielfalt und systemisches Denken brauchen. Diejenigen, die als Kinder und Jugendliche in zwei Systemen navigierten, bringen die hierfür entscheidende Transformationskompetenz mit.

Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land stärken möchte, für die oder den ist faire Repräsentation und Gestaltungsmacht sowie eine Angleichung der ökonomischen Lebensverhältnisse nicht nur eine strukturelle Frage, sondern auch normativer Ansporn. Wir stellen uns dieser Herausforderung und bieten dafür einen präzisen Blick „aus dem Osten“. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist für uns der stete Vergleich mit der westdeutschen Norm überholt. Wir erkennen selbstbewusst an, worin unsere Einigkeit liegt: in der Vielfalt, in unserer unterschiedlichen Herkunft und Geschichte. Dies ist eine Chance, eine große Ressource und für uns eine Verantwortung, der wir uns tagtäglich in unserem Berufs- und Privatleben stellen. Als Wendekinder sind wir geborene Changemaker. Wir sind die neue Gestalter-Generation aus dem Osten - für eine gemeinsame Zukunft Deutschlands und Europas.

Über N3GO  

Seit 10 Jahren prägt das Netzwerk 3te Generation Ost die Debatte um Ostdeutschland mit und hat sie positiver, diverser und zukunftsgewandter gemacht. Wir übernehmen Verantwortung für unsere Herkunft. Dazu vernetzen wir Wendekinder, die ca. in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR geboren sind und machen sie sichtbar. Die Dritte Generation Ostdeutscher ist zur Wendezeit aufgewachsen und hat dadurch einzigartige Erfahrungen gesammelt. Die damit verbundenen Kompetenzen versucht das Netzwerk zu entdecken, zu beschreiben und aktiv zu fördern. Mit unseren digitalen und analogen Eventformaten bieten wir Räume für Vernetzung, Inspiration, zum Erfahren, Denken und Handeln. Mit interdisziplinärer Forschung leisten wir zudem einen Beitrag für den wissenschaftlichen Diskurs. Wir stärken Wendekinder für ihren persönlichen und beruflichen Erfolg und gestalten so den Wandel hin zu einer gerechten und lebenswerten Zukunft.

Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner
Zeichne jetzt mit!

  • Dr. Antje Draheim, Staatssekretärin, Bevollmächtigte des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund
  • Michael Geffken, Geschäftsführer & Direktor, Leipzig School of Media
  • Nancy Böhning, Politische Referentin IG Metall Vorstand
  • Kerstin Kinszorra, Pressesprecherin der Landeshauptstadt Magdeburg
  • Jeannine Koch, Direktorin republica GmbH
  • Constanze Buchheim, Gründerin und Managing Partner i-potentials GmbH
  • Anne-Marie Kortas, Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales
  • Michael Anders, Referent im Büro der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Isabelle Hoyer, CEO & Founder PANDA - The Women Leadership Network
  • Dr. Ute Bergner, Physikerin, Unternehmerin, Mitglied des Thüringer Landtags
  • Claudia Muntschick, Vernetzung und Beratung Ostsachsen für KREATIVES SACHSEN
  • Dr. Kristin Wesemann, Leiterin Strategie und Planung, Marketing und Kampagnen, Publikationen, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
  • Dr. Josefine Raasch, Learning Designer
  • Matthias Gabriel, Pressesprecher AOK Nordost
  • Dr. Sebastian Händschke, Leiter des Digital Innovation Hub Photonics (DIHP) am Leistungszentrum Photonik, Jena
  • Nadine Bruder, Strategin, Nachhaltigkeit & Investments, Gründerin JUST DAMN RIGHT
  • Dr. Adriana Lettrari, Geschäftsführerin Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern
  • Dr. René Sternberg, Organisationssoziologe & Head of Professional Services HIRSCHTEC
  • Jeannette Gusko, Kampagnen- und Public Policy-Managerin, Leitung DACH GoFundMe
  • Claudia Geist, Stellv. Leiterin im Referat Frauen in Führungspositionen im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Tilmann Löser, interkultureller Musiker und Kulturmanager
  • Michael Stavenhagen, Marketing Technical Education and Digital Training Solutions bei Siemens Energy
  • Torsten Menzel, ver.di
  • Katharina Göring, Beraterin für digitale Transformation und Organisationsentwicklung
  • Dr. Katrin Cholotta, Stellvertretende Referatsleiterin, Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Nico Roicke, Creative Director
  • Johannes Gärtner, Schauspieler, Autor, Regisseur
  • Kristin Hesche, Kombinatsleiterin, Kombinat 01 - Coworking Space Jena
  • Carsten Thiemann, Architekt & Eisenbahner, DB Station&Service AG, Geschäftsentwicklung
  • Anne-Luise Kitzerow, Zukunftsforscherin, Gründerin von Blogfamilia e.V.
  • Prof. Jane Porath, Professorin für Pädagogik, insbesondere Berufs- und Wirtschaftspädagogik
  • Thoralf Krause, Drees & Sommer, Senior Business Development Manager
  • Mario Reincke, Hoteldirektor Schlosshotel Klink
  • Dr.-Ing. Thomas Fischer, Stadtplaner
  • Dr. Tilo Schöfbeck, Bauforscher und Archäologe
  • Benny Beyer, Kombinatsleiter, Kombinat 01 - Coworking Space Jena
  • Dr. phil. Andy Räder, Medienwissenschaftler & Filmhistoriker
  • Richard Siebenhaar, Persönlicher Referent eines Mitglieds des Bundestags (MdB)
  • Prof. Jana Gunstheimer, Künstlerin und Professorin für Experimentelle Malerei und Zeichnung an der Bauhaus-Universität Weimar, IRRE@bauhaus
  • Katrin Bahr, German Assistent Professor Centre College, KY
  • Ulrike Grandi-Haferstroh, Kommunikationsstrategin, Vorständin GemeinsamEinzigartig
  • Juliane Metzker, Autorin und Podcasterin, Perspective Daily
  • Karsten Thiel, Einrichtungsleiter im Lebenshilfewerk Hagenow GmbH
  • Dr. Robert Nehring, Geschäftsführer PRIMA VIER Nehring Verlag GmbH
  • Jonas Ludwig Walter, Regisseur & Fotograf (mit Schwerpunkt Ostdeutschland)
  • Katja Rejl, Director Demand Planning and S&OP, Merck KGaA
  • Dr. Alexander Goebel, Leiter des Helmstedter Regionalmanagements
  • Tino Dschietzig, Manager für Recruiting & Kooperationen, Teach First Deutschland, Regionalbüro Dresden
  • Jana Hampel, Diplom-Kauffrau (FH)
  • Anne Pallas, Geschäftsführerin Landesverband Soziokultur Sachsen e.V.
  • Carolina Sachs, Referentin für Internationales, Solidaritätsjugend Deutschlands & Freie Trainerin und Moderatorin
  • Tadeusz Malek, Diplom Wirtschaftsinformatiker (DH)
  • Nadine Brömme, Projektleiterin von Das NETTZ - Vernetzungsstelle gegen Hate Speech / ein Projekt des betterplace lab
  • Katrin Schübel, Expertin Digital Consulting & New Leadership
  • Clarsen Ratz, Unternehmer, CR Immobilien-Event und Politikberatung, FDP Thüringen
  • Franziska Wetterling, Innovationspolitik, Ehrenamt und Engagement, Soziale Herkunft
  • Christiane Kilian, Head of Startup Department, Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen
  • Ingo Buschmann, Head of Siemens Gas Turbine Product Training Europe
  • Jonas Bräuer, Diplom-Ingenieur, Startup-Gründer GRILLAXED
  • Wiebke Neumann, Politikwissenschaftlerin, Koordinatorin für Gleichstellung
  • Isa Grütering, Systemischer Business & Personal Coach
  • Nadja Bauer, Digitalstrategin, Kommunikationsspezialistin und Kulturproduzentin
  • Matthias Petri, Geschäftsführer der 4eck Media GmbH & Co. KG
  • Janine Koska, Agenturleiterin, Public Relations Managerin eingebrand
  • Dr. Philine Erfurt Sandhu, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
  • Antje Hahn, Leitung der Schulverwaltung in einer inklusiven privaten Schule
  • Konrad Röpke, UX und Service Designer
  • Annekatrin Stiels, Leadership Coach & Management Beraterin
  • Matthias Damke, Kulturwissenschaftler, Digitale Transformation
  • Daniela B. Echelmeyer, PreSales Enablement Manager
  • Frank Parentin, Manager System Engineering @ Nutanix
  • Julius Rodriguez, Higher Education Navigator; Equity, Diversity & Inclusion
  • Claudia Kelz, Programm Manager Women in Leadership
  • Dörte Kaschdailism, Selbstständig
  • Charlotte zu Knyphausen, Verhandlungs- und Konfliktcoach
  • Elisabeth Göring, Fagottistin Opernhaus Zürich
  • Sabine Nagel, Rechtsanwältin
  • Tabea Marx, Drees & Sommer
  • Nicole Bastien, Großartige Unternehmen entstehen durch großartige Menschen. Ich arbeite mit Unternehmer*innen daran, sie dorthin zu bringen.
  • Dorli Flämig , Gut Alaune e.V.
  • Dr. Ulrike Henkel, Chemikerin
  • Claudia Pohlink, Head of AI/ML @ Telekom Innovation Laboratories
  • Julia Stumkat, Consultant
  • Carsten Brechlin, Digitalisierer @Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
  • Marco Fischer, Informatiker
  • Dr. Stephan Ehrig, Germanist
  • Doreen Liebe, Projektleitung New Intranet/Interne Kommunikation
  • Patrizia Nobbe, PhD, Executive Director, UAS7 New York Office
  • Diana Krämer, Therapeutin
  • Pia Brecht, Ärztin (Sportmedizin, Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderorthopädie in Weiterbildung)
  • Dr. Anja Beyer, Gerontologin
  • Michael Biel, Leiter eines Bundestagsbüros
  • Katharina Krüger, Journalistin
  • Tobias Mory, Geschäftsführer Goldener Westen, Agentur für strategisches Storytelling
  • Michael Ihln, Head of Share Programs / Head of Global Grading
  • Julia Ulbrecht, Projektmanagerin Kultur- & Kreativwirtschaft, Existenzgründungsförderung
  • Sandra Löber, Director, Global Medical Office, Fresenius Medical Care
  • Erik Stemplewitz, BIM-Koordinator + Leiter Konstruktionsabteilung in einer großen Ingenieurgesellschaft für Tragwerksplanung
  • Gesine Mannheimer, Geschäftsführerin JETZT & MORGEN
  • Ines Eckert, Leiterin Stakeholdermanagement & Kommunikation bei Stromnetz Berlin
  • Martina Heber, Head of Office of the CEO
  • Manuela Teinert, Gründerin von „nachhaltig unternehmen“, Unabhängige Finanzierungsmaklerin und Unternehmensberaterin
  • Daniela Horn, Bereichsleiterin Global Digital Product
  • Anne Tischer, Vorsitzende Initiative FRAUEN !N FÜHRUNG (F!F) und Gründerin KARMA SHE SAID, Kommunikation für Diversity & werteorientiertes Management
  • Jan Berger, CEO, 2b AHEAD ThinkTank
  • Anett Gläsel-Maslov, Lehrerin
  • Christiane Henklemann, Psychologische Psychotherapeutin
  • Helmar Trompelt, Kulturmanager
  • Dr. Anja Hagedorn, Referentin für Entrepreneurship an der Leuphana Universität, Gründerin (Jobs4Students) und reef-guardian e.V.
  • Eileen Neubauer, Beamtin Landesverwaltung MV
  • Jeannette Hagen, freie Autorin
  • Andreas Francke, Business Engineering, Futurist, Das Dorf der Zukunft

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Von der Stimme zum Einfluss: Wendekinder im Gespräch

Veranstalter: Netzwerk 3te Generation Ost und Handelshochschule Leipzig

Anmeldung HIER

Zu diesem Event

„Von der Stimme zum Einfluss: Wendekinder im Gespräch“ ist ein neues
gesellschaftspolitisches Digitalformat des Netzwerks 3te Generation
Ost. Gemeinsam mit spannenden Gästen und Interviewpartner*innen
besprechen und erkunden wir aktuelle Themen Ostdeutschlands sowie zur
gesamtdeutschen Zukunft aus der Perspektive der Wendekinder.

Im
Einheitsjahr 2020, drei Jahrzehnte nach der Friedlichen Revolution,
stehen die Wendekinder von damals in der Mitte ihres Lebens.
Sozialisiert in zwei gesellschaftlichen Systemen und aufgewachsen in
höchst unsicheren Zeiten ist diese Generation besonders wandelerprobt.
Eine Kompetenz, die wir gerade jetzt mehr denn je benötigen - in
Führungspositionen, in der Zivilgesellschaft, in Wirtschaft, Politik und
Kultur. Mit unserer neuen Digitalreihe wollen wir einen Beitrag
leisten, auf dieses bislang viel zu wenig genutzte Potenzial aufmerksam
zu machen.

Unsere digitale Dialogreihe bringt Wendekinder
zusammen, die ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen wollen, um
gemeinsam Gesellschaft gestalten. Anlässlich unseres 10-jährigen
Jubiläum starten wir am 04.06.2020 von 16 bis 18 Uhr mit folgenden
Themen:

Impuls

Interview mit Wendekind Prof. Dr. Timo Meynhardt: „2020 – ein verlorenes Jahr für Ostdeutschland?“

Drei parallele Themenräume

1. Braucht Deutschland eine neue Verfassungsdiskussion? Timo Meynhardt

Trotz
einiger berühmter Fürsprecher*innen verpasste es Deutschland während
der Wende 1989/90, intensiv über eine echte Verfassung zu diskutieren.
Das Grundgesetz gilt heute als eine der besten seiner Art weltweit. In
Art. 146 ist dort formuliert: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung
der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk
gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in
Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung
beschlossen worden ist.“ Dies steht noch aus. Anlässlich des 30.
Geburtstags der Wiedervereinigung möchte Timo mit Ihnen die Vor- und
Nachteile einer neuen Verfassungsdiskussion beleuchten. Im Vordergrund
sollen dabei die politischen, kulturellen und sozialen Aspekte dieses
unerfüllten Auftrages stehen. Als besonderen Gast begrüßen wir dazu Frau
Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Ministerin a.D., Landtagspräsidentin a.D.

2. „Transformationskompetenz – Was ist das und wie wende ich sie an?“ Dr. Adriana Lettari

Die
ganze Welt ist derzeit von der Corona-Krise und dessen
Anpassungsnotwendigkeiten betroffen: praktisch zur gleichen Zeit
durchlaufen wir weltweit den gleichen Change - trotz aller Unterschiede
mit ähnlicher Wucht. Das ist etwas ganz Neues. Das war bei den
vorherigen Krisen anders, wie beispielsweise bei Tschernobyl, bei 9/11
und der Katastrophe von Fukushima. Die Errungenschaft in dieser
Herausforderung heißt ‚Transformationskompetenz’. Denn Veränderungen
verlaufen nach einem bekannten Muster, dessen Phasen jede Person in
unterschiedlichen Ausprägungen durchläuft. Wer diese Phasen und dessen
Support-Tools kennt, wird – so die Arbeitshypothese – durch die
Corona-Experience für sein Leben lang transformationskompetent sein.

3. “Prof. Dr. Karola Wille - eine Ostdeutsche Biografie”

Prof.
Dr. Karola Wille führt seit 2011 als Intendantin den MDR. Im Panel gibt
Fr. Wille Einblicke in die Themen, mit denen sie sich als
herausgehobene Führungskraft intensiv beschäftigt. Was prägte sie?
Spielt ihre ostdeutsche Heimat für sie eine Rolle im beruflichen Leben?
Wie trifft sie wichtige Entscheidungen? Welche Ratschläge hat sie für
die Generation der Wendekinder? Wir laden Sie ein, diese und weitere
Fragen mit Frau Wille zu diskutieren.

Zusammenfassung der Themenräume

Jeder Themenraum stellt kurz die Ergebnisse dar und stellt diese zur Diskussion.


Wendekinder, übernehmt Verantwortung!

30 Jahre Friedliche Revolution im Schatten der Landtagswahlen in Ostdeutschland?

Ein Aufruf der Sprecherinnen und Sprecher des Netzwerks 3te Generation Ost

Oktober 2019

1. Wir rufen Wendekinder auf - übernehmt Verantwortung.

Egal ob weggezogen, hiergeblieben oder zurückgekehrt. Rechtsextreme haben keinen Hoheitsanspruch auf Heimat. Doch wir müssen aktiv werden und ihre Frames nicht nur zurückweisen, sondern unsere Vision beschreiben. Heimat ist für uns der Ort, mit dem wir uns emotional verbunden fühlen, verbunden mit dem Wunsch und dem Interesse, dem Ort etwas Gutes zu tun. Heimat kann Zuhause sein. Wir begrüßen Zuwanderung und die Zuwanderung der Rückkehrer*innen. Sie bringen Erfahrungen, Fähigkeiten und Kenntnisse aus dem Studium, Arbeitsleben und Ausland mit, die ihre Heimat bereichern. Alle sind willkommen, sich zu engagieren und mitzugestalten. Ostdeutschland sehen wir als unsere gemeinsame Heimat an, für alle Menschen, in Gemeinschaft, die hier leben. Wir stellen uns gegen völkische Argumentationen von Heimat, die ausschließen wollen. Wir stellen uns entschieden gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus. Wir wissen um den Wert von Freiheit und stellen uns konsequent gegen Umdeutungen von Begriffen und Prozessen der Geschichte. 

2. Wandelerprobte Wendekinder: nutzt Eure Transformationskompetenz!

Diese besitzen sie durch die doppelte Sozialisation im Sozialismus und der Demokratie. Die Kompetenz erwarben sie, weil alle die enormen Wandlungsprozesse während der Wendezeit erlebten. Dadurch konnten (oft schmerzhafte) Erfahrungen gesammelt werden, die heute positiv verwendet werden können. In der Zeitschrift Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit wird Ende des Jahres erstmals eine exakte wissenschaftliche Definition des Begriffs "Transformationskompetenz" (Lettrari/Nestler/Porath 2019) veröffentlicht.

3. Wir stärken Wendekinder.

Sozialer Frieden und Vertrauen in politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen erreichen wir nur durch eine angemessene Repräsentation Ostdeutscher. Ostdeutsche sind jedoch auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer nur selten in Führungspositionen vertreten. Dabei hat insbesondere die 3te Generation Ost ein großes Potenzial, mit den Umbrüchen der Zukunft klug umzugehen. Wir stärken deshalb Wendekinder, Verantwortung in Führung zu übernehmen. Wir wissen aber auch, dass dies nicht ausreicht und sind deshalb mehrheitlich für die Einführung einer Ostquote, beispielsweise auf Zeit. Denn ohne Verbindlichkeit und Sensibilisierung von Entscheider*innen tut sich nichts. Wir ermutigen alle ostdeutschen Frauen den “Gleichstellungsvorsprung Ost” als Selbstverständnis zu begreifen und für sich zu nutzen. Und wir ermutigen westdeutsche Frauen, es ihnen gleichzutun. Wir ermutigen gleichzeitig westdeutschen Verbündete in Entscheidungspositionen, dass sie Macht teilen. Wenn Ostdeutsche ihren Anteil an Gestaltungsrollen inne haben, werden wir bessere Lösungen für die drängendsten Zukunftsfragen für Gesamtdeutschland erarbeiten und gesellschaftlichen Zusammenhalt erhalten können.

4. Wir fordern eine solide Finanzierung von Demokratieprojekten.

In Ostdeutschland gab es in den letzten Jahren zahlreiche fremdenfeindliche Angriffe. Diese verurteilen wir zutiefst und zeigen uns solidarisch mit Betroffenen, die von Demokratiefeinden als “anders” markiert und ausgeschlossen werden sollen. Die drei Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen haben zudem gezeigt, dass es gerade junge Menschen sind, die eine offen rassistische und antidemokratische Partei wählen. Der Ausdruck von politischem Handeln ist auch eine Frage von demokratischer Bildung und wahrgenommener Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig gibt es in Ostdeutschland wenige Stiftungen, Inkubatoren, Vereine oder neue Institutionsformen sowie nur unzureichende finanzielle Mittel, um Menschen und Initiativen zu stärken, die sich in einem merklich zugespitzten Umfeld für eine offene Gesellschaft und gegen Rassismus einsetzen, insbesondere in den Kommunen. In dieser gesellschaftlichen Situation ist die Kürzung von finanziellen Mitteln für Demokratieprojekte nicht hinnehmbar. Wir fordern deshalb eine deutliche Aufstockung der Mittel und eine langfristige Finanzierung für Demokratieprojekte im Osten.

5. Wir sind solidarisch, aber in die Zukunft gerichtet.

Gesellschaftliche Solidarität verklärt als Mythos oder unerfülltes Erbe der DDR zu sehen, hilft nicht dabei, unsere Heimat weiterzuentwickeln. Wir können und wollen gemeinsam an den Herausforderungen arbeiten, aber nicht mit einem “früher war alles besser”, sondern mit einem “heute gilt es zu handeln, um das Morgen zu gestalten." Dabei sind wir uns unserer Wurzeln bewusst. Wir bauen Brücken, in dem wir das Gespräch mit unseren Eltern und Kindern suchen. Wir wollen Benachteiligungen, die durch die zufällige Zuteilung natürlicher und sozialer Güter entstehen, berücksichtigen und ausgleichen.

6.  Wir machen das Positive der heutigen Zeit sichtbarer.

Ostdeutschland ist ein Gesellschaftslabor für die Zukunft: Viele Initiativen vor Ort schöpfen Fülle aus dem Mangel und wirken innovativ vor Ort. Wer über Ostdeutschland berichtet, den fordern wir auf, den Blick auf Wendekinder zu richten, ihren Impulsen zuzuhören und weiterzutragen. Ein steter Fokus auf antidemokratische Kräfte verzerrt die Debatte und zeigt progressive Mindsets unverhältnismäßig weniger. Online-Initiativen wie wirsindderosten.de, #derandereosten oder #wirimosten unterstützen wir, weil sie zeigen, wie vielfältig Ostdeutschland ist. Wir halten dagegen, wenn Hassrede Soziale Medien bestimmen will. Der Osten kann und ist mehr!

Wir als Gesprächspartner*innen

Wir stehen für Interviews, Portraits, Kommentare und Streitgespräche  zur Verfügung. Weitere Informationen zu unserer langjährigen Arbeit finden Sie auf dieser Homepage.
Das Netzwerk 3te Generation Ost versteht sich als eine Plattform für Ideen, Impulse und Aktivitäten, u.a. zu den Themen Ostdeutschland, Transformationskompetenz und Repräsentation.
Aus der Netzwerkarbeit und in Kooperation sind seit dem Jahr 2010 viele verschiedene Initiativen erwachsen, wie zum Beispiel der Verein
Perspektive³,wissenschaftliche Forschung zur Alterskohorte Wendekinder, Biografie-, Musik- oder Fotoprojekte sowie die Online-Initiative wirsindderosten.de.

Adriana Lettrari , *1979, lebt in Berlin
Organisationsberaterin, Speakerin, Publizistin und Gründerin des Netzwerks 3te Generation Ost.
Für ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement wurde sie unter anderem ausgezeichnet mit den Titeln ‚Frau Europas Deutschland 2016’ und ‚Women of Europe 2017’.

Jeannette Gusko , *1984, lebt in Berlin
Geschäftsführung der Fundraising-Plattform GoFundMe Deutschland, Österreich, Schweiz.
Vormals Change.org, Gründerin des Campaign Boostcamp, Publizistin und Speakerin zu Digitalisierung, Gleichberechtigung und politische Partizipation, mehrfach ausgezeichnet, u.a. "Frau der digitalen Zukunft".

Tilmann Löser, *1983, lebt in Leipzig
Projektleitung “Klänge der Hoffnung” Stiftung Friedliche Revolution, Leipzig.
Musiker und Geschäftsführer von interkulturellen und integrativen Musikprojekten, vielseitig ehrenamtlich in Sachsen engagiert.

Claudia Geist, *1985, lebt in Potsdam
Hat lange als persönliche Referentin für die Politikerin Manuela Schwesig gearbeitet.
Jetzt ist sie stellvertretende Referatsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin

René Sternberg , *1982, lebt in Berlin
Leiter Professional Services und Mitglied der Geschäftsleitung bei HIRSCHTEC GMBH & CO. KG Verbindet Organisationssoziologie, Technik und die Nutzerperspektive bei der Digitalisierung des Arbeitsplatzes.

Katrin Cholotta , *1977, lebt bald wieder in Brandenburg
Hat in verschiedenen Städten und Ländern als freie Journalistin und Wissenschaftlerin gearbeitet. Zurzeit befasst sie sich als stellvertretende Referatsleiterin im BMAS mit der Zukunft der Arbeit. Seit über 20 Jahren in den Bereichen Jugend und Diversity parteilos und ehrenamtlich engagiert.

Torsten Menzel , *1986, lebt in Dresden und Berlin
Leiter Region Sachsen bei Teach First Deutschland, Dresden
Verbindet die Themen Bildungsgerechtigkeit, Perspektivwechsel, Demokratie und Sachsen.


30 Jahre Friedliche Revolution und die Landtagswahlen in Ostdeutschland

August 2019

Positionen des Netzwerks 3te Generation Ost

1. Wir stärken Wendekinder.

Sozialen Frieden und Vertrauen in politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen erreichen wir nur durch angemessene Repräsentation Ostdeutscher. Da Ostdeutsche in Führungspositionen bisher kaum vorkommen, sind wir mehrheitlich für die Einführung einer Ostquote, beispielsweise auf Zeit. Ohne Quote, ohne Verbindlichkeit und Sensibilisierung von Entscheider*innen tut sich nichts.Wir ermutigen alle ostdeutschen Frauen den “Gleichstellungsvorsprung Ost” als Selbstverständnis zu begreifen und für sich zu nutzen. 2017 gab es mehr Zuwanderung als Abwanderung in Ostdeutschland. Wir begrüßen die Zuwanderung der Rückkehrer*innen. Sie bringen Erfahrungen, Fähigkeiten und Kenntnisse aus dem Studium, Arbeitsleben und Auslandsaufenthalten mit, die ihre Heimat bereichern.

2. Wendekinder, übernehmt Verantwortung für eure Heimat.

Wir nehmen den Rechten den Hoheitsanspruch
auf Heimat. Heimat ist für uns der Ort, mit dem wir
uns emotional verbunden fühlen, verbunden mit dem
Wunsch und dem Interesse, dem Ort etwas Gutes zu tun. Alle sind willkommen,
sich zu engagieren und den Ort mitzugestalten. Ostdeutschland sehen wir als
unsere gemeinsame Heimat an, für alle Menschen, die hier
leben. Wir stellen uns gegen völkische Argumentationen von
Heimat, die ausschließen wollen. Wir stellen uns
entschieden gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus. Wir wissen um den
Wert von Freiheit und stellen uns konsequent gegen Umdeutungen von Begriffen
und Prozessen der Geschichte. Wer eine “Wende vollenden” will,
verklärt die Vergangenheit, will billigst verführen und
führt in die Irre.

3. Für die Demokratie wählen.

2019 sehen wir im Zuge der Landtagswahlen im Osten eine besondere Verantwortung dafür, zum Wählen aufzurufen und das Positive zu betonen, damit wir  über die Probleme der Gegenwart die Erfolge, das Erreichte und die Potentiale für unsere gemeinsame Zukunft nicht verkennen. Unsere Generation weiß Wandel zu gestalten und mit Veränderungen umzugehen.

4. Wir sind solidarisch, aber in die Zukunft gerichtet.

Gesellschaftliche Solidarität verklärt als Mythos oder unerfülltes Erbe der DDR zu sehen, hilft nicht dabei, unsere Heimat weiterzuentwickeln. Wir können gemeinsam an den Herausforderungen arbeiten, aber nicht mit einem “früher war alles besser”, sondern mit einem “heute gilt es zu handeln".

5. Wir machen das Positive der heutigen Zeit sichtbarer.

Ostdeutschland ist ein Gesellschaftslabor für die Zukunft: Viele Initiativen vor Ort schöpfen Fülle aus dem Mangel und wirken innovativ vor Ort. Wer über Ostdeutschland berichtet, den fordern wir auf, den Blick auf Wendekinder zu richten und nicht nur auf antidemokratische Kräfte. Online-Initiativen wie die Hashtags #derandereosten oder #wirimosten unterstützen wir, weil sie zeigen, wie vielfältig Ostdeutschland ist. Wir halten dagegen, wenn Hassrede Soziale Medien bestimmen will. Der Osten kann mehr!

Wir stehen für Interviews, Portraits, Kommentare und Streitgespräche zur Verfügung.

Mehr hier: https://twitter.com/Netzwerk3teGO

Sprecher*innen des Netzwerkes 3te Generation Ost

Wir Wendekinder sind durch
das Leben in zwei Systemen geprägt. Unsere doppelte
Sozialisation hat uns zu Gestalter*innen des Wandels gemacht. Heute, 30 Jahre
nach der Friedlichen Revolution, stehen wir in der Mitte unseres Lebens und
haben die Kompetenz und Erfahrung, um Verantwortung für unsere
gesamtdeutsche Zukunft zu übernehmen.

Adriana Lettrari , *1979, lebt in Berlin
Organisationsberaterin, Speakerin, Publizistin und Gründerin des ‚Netzwerk 3te Generation Ost’.
Für ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement wurde sie unter anderem ausgezeichnet mit den Titeln ‚Frau Europas Deutschland 2016’ und ‚Women of Europe 2017’.

Jeannette Gusko , *1984, lebt in Berlin
Geschäftsführung der Fundraising-Plattform GoFundMe Deutschland, Österreich, Schweiz.
Vormals Change.org, Gründerin des Campaign Boostcamp, Publizistin und Speakerin zu Digitalisierung, Gleichberechtigung und politische Partizipation, mehrfach ausgezeichnet, u.a. "Frau der digitalen Zukunft".

Tilmann Löser, *1983, lebt in Leipzig
Projektleitung “Klänge der Hoffnung” Stiftung Friedliche Revolution, Leipzig.
Musiker und Geschäftsführer von interkulturellen und integrativen Musikprojekten, vielseitig ehrenamtlich in Sachsen engagiert.

Claudia Geist, *1985, lebt in Potsdam
Hat lange als persönliche Referentin für die Politikerin Manuela Schwesig gearbeitet.
Jetzt ist sie stellvertretende Referatsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin

René Sternberg , *1982, lebt in Berlin
Leiter Professional Services und Mitglied der Geschäftsleitung bei HIRSCHTEC GMBH & CO. KG Verbindet Organisationssoziologie, Technik und die Nutzerperspektive bei der Digitalisierung des Arbeitsplatzes.

Katrin Cholotta , *1977, lebt in Berlin
Hat in verschiedenen Städten und Ländern als freie Journalistin und Wissenschaftlerin gearbeitet. Zurzeit arbeitet sie in der Grundsatzabteilung als stellv. Referatsleiterin des BMAS im Bereich Digitalisierung der Arbeit. Seit über 20 Jahren mit Projekten in den Bereichen Jugend und Diversity parteilos und ehrenamtlich engagiert

Torsten Menzel , *1986, lebt in Dresden und Berlin
Leiter Region Sachsen bei Teach First Deutschland, Dresden
Verbindet die Themen Bildungsgerechtigkeit, Perspektivwechsel, Demokratie und Sachsen.


Memorandum 3 I 25: Wir fangen einfach an

Liebe Freundinnen und Freunde,IMG_1072

was eint uns heute in Deutschland? Mit dieser Frage haben wir – 21 Autorinnen und Autoren aus dem Westen Deutschlands, der ehemaligen DDR und mit internationalen Wurzeln – uns über ein Jahr beschäftigt. Geboren wurden wir vor dem Fall der innerdeutschen Mauer. Wir haben die Teilung Deutschlands nur noch als Kinder miterlebt.

Zum 25-jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung möchten wir uns lösen von den gelernten Zuschreibungen wie „Wendekind“, „Westkind“ und „Migrationskind“. Wir rufen die „Dritte Generation Gesamtdeutschland“ aus, die Generation Deutsche Einheit. In unserem MEMORANDUM haben wir 21 Statements für ein pluralistisches 21. Jahrhundert verfasst. Es ist ein Leitbild unseres Wirkens und Denkens, ist gleichermaßen Selbstverpflichtung wie Aufruf.
Zur Veröffentlichung und dem Kick-off unserer digitalen Kampagne zum Memorandum 3 I 25, luden wir am Dienstag den 29. September ins "Niesen -Café Social International" ein. Dort, nur einen Steinwurf vom Gleimtunnel der damaligen Grenze zwischen DDR und BRD, stellten wir das Memorandum 3 I 25 vor und diskutierten es mit zahlreichen Gästen. Wer nicht dabei war, kann HIER einen Blick ins Memorandum werfen.

Youtoube Link des Livestreams findet Ihr HIER

Link zum Presseartikel im Tagesspiegel findet Ihr HIER

Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr unser Memorandum unterstützt, weiterdenkt und ergänzt. D
afür starten wir eine Kampagne. Unterstützt uns dabei! Zeichnet daher jetzt unser Memorandum unter www.change.org/wirfangeneinfachan und teilt es in sozialen Netzwerken und via Email. Und Ziel sind 500 Zeichnerinnen und Zeichner!

Eindrücke vom Abend: 


Alle Jahre wieder... Bericht zum Stand der Deutschen Einheit 2014

Wir brauchen einen unverkrampften Umgang miteinander, wie ihn die junge Generation so erfreulich vorlebt. Die Möglichkeiten, sich der gemeinsamen Leistungen in Ost und West bewusst zu werden, sind vielfältig. Im täglichen Umgang miteinander sollte dies eine besondere Rolle spielen. Der Weg zur inneren Einheit kann nur über gegenseitigen Respekt und Anerkennung beschritten werden. (S. 15, Jahresbericht DE 2014)

Jährlich veröffentlicht die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer den Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit. Der aktuelle Bericht für das Jahr 2014 steht seit kurzem hier zum Download bereit: http://www.beauftragte-neue-laender.de

Nach einer Analyse von Entwicklungsfeldern wie der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der neuen Ländern, Infrastruktur und soziale Einheit, werden in dem Bericht wichtige Handlungsfelder beschrieben um die "Einheit" weiter voranzubringen. Aber seht selbst...

 


Mecklenburg-Vorpommern als "Laboratorium"

Wissenschaftler Martin Koschkar über Chancen der Wendekindgeneration

- Von Martin Koschkar -

Im Herbst 2014 wird das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls begangen. Jedes Jubiläum lädt dazu ein, zurückzuschauen, aber auch zukünftige Aufgaben zu skizzieren. In 25 Jahren hat sich in den neuen Bundesländern viel verändert. Ein Prozess mit Licht und Schatten und Mecklenburg-Vorpommern stellt keine Ausnahme dar. Die Härten der Transformation waren im Nordosten Deutschlands erheblich spürbar: Wirtschaftlicher Umbau, Arbeitslosigkeit und Abwanderung prägen nicht nur die Außenwahrnehmung MVs. Gleichzeitig erstrahlen Hansestädte in neuem Glanz und sind mit einer Küstenautobahn verbunden, das Land ist erfolgreiche Tourismusdestination und Gesundheitswirtschaft und Erneuerbare Energien haben sich zu Zukunftsfeldern entwickelt. Das „Land am Rand“ bietet Chancen für neue Wege und nicht jeder negative Aspekt beruht auf der oft zitierten tradierten Rückständigkeit der Mecklenburger und Vorpommern. Im Sinne eines „Laboratoriums“ bietet Mecklenburg-Vorpommern die Möglichkeit Folgen und Entwicklungen der Transformation und Prozesse wie Binnenmigration und demografischen Wandel zu verstehen, und aus ihnen zu lernen.

Dies betrifft auch die so genannte „Dritte Generation Ost“, die seit 2009 in verschiedenen Initiativen auf sich aufmerksam gemacht hat. Sie wird seither vielfältig diskutiert, eine erste selbstbesetzte Bezeichnung verortete die Generation in den Jahrgängen 1975 bis 1985 in der DDR Geborener. Das betrifft etwa 2,4 Millionen Menschen.
Diese nicht-wissenschaftliche Eingrenzung tangiert auch mich: Als gebürtiger Mecklenburger des Jahrgangs 1982 bin ich im Sommer 2012 auf die „Dritte Generation Ost“ aufmerksam geworden. Als Politikwissenschaftler arbeite ich seither in verschiedenen Projekten, um die Rolle der Generation im Deutschland des 21. Jahrhunderts besser zu verstehen. Die Entwicklung meines Heimatbundeslandes Mecklenburg-Vorpommern liegt mir dabei besonders am Herzen. Trotz vieler Probleme sehe ich hier auch klare Chancen – MV als „Laboratorium“: Die Generation der Wendekinder kann und muss hier einen aktiven Beitrag leisten.

Die „Dritte Generation Ost“ ist dabei keine festgefügte Gruppierung für die jemand in Allgemeingültigkeit sprechen kann, sondern eher ein Gedanke oder eine Vision, woraus jedoch aktives Handeln von Menschen entsteht. Unter dem Motto hat sich ein Netzwerk – Die „3te Generation Ost“ – etabliert, das Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenführt. Alle eint die Umbruchserfahrung von 1989/90 und der folgende Transformationsprozess. Im Rahmen des Netzwerkes hat sich eine kleine Untergruppe von Geistes- und Sozialwissenschaftlern gebildet, die gezielt an der Erforschung der Generationenfrage arbeitet. Hier möchte auch ich meinen Beitrag leisten. Ich sehe dabei drei zentrale Punkte: Die Eigenschaften der Wendekinder, die Rolle der Generation im politischen System und die Debatte um unsere Beitrag im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Die Eigenschaften von Wendekindern werden seit dem Generationentreffen 2013 in Berlin unter dem Stichwort „Transformationskompetenz“ diskutiert und erforscht: Haben Menschen mit einer doppelten Sozialisation – d.h. Kinder- und Jugendzeit sowohl in DDR als auch BRD – durch die Erfahrung der Transformation bestimmte Eigenschaften entwickelt, die sie sich auch heute nutzbar machen können? Kompetenzen zur Bewältigung von Transformationsprozessen, also der Umgang mit Wechsel und Wandel wären denkbar. In Berlin wurden mit einem Augenzwinkern Begriffe diskutiert wie „Phönix-Kompetenz“ – nach dem mythischen Vogel, der verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen – oder auch „MacGyver-Kompetenz“ – mit Blick auf den kreativen Umgang, mit einfachsten Möglichkeiten Situationen zu meistern. Dies ist auch ohne Augenzwinkern eine spannende Frage: Solche Erfahrungen können für Menschen in anderen Ländern interessant sein, die Transformationsprozesse durchlaufen. Wir versuchen momentan diese Eigenschaften besser zu verstehen und wissenschaftlich zu erschließen. In einem Projekt werden an der Fallgruppe ostdeutscher Landtagsabgeordneter erste Hypothesen untersucht. Die Ergebnisse können im Herbst der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Der zweite Punkt betrifft die Ausprägung der „Dritten Generation Ost“ allgemein. Auf Basis der ersten Ergebnisse gibt es die Bemühung, die Forschungsfragen auf weitere Personenkreise auszuweiten und so die Verortung im politischen System der BRD besser zu verstehen. Die Betrachtung von Ehrenamt und Zivilgesellschaft sind hier ebenso enthalten wie die Analyse von Abgeordneten, Regierungs- und Verwaltungsmitarbeitern. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Wahlforschung: Wählen Wendekinder anders? Am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich mit Blick auf die letzten 25 Jahre, dass zunächst eine große Abwanderung der entsprechenden Alterskohorte attestiert werden muss. In der zunehmend überalterten Mitgliederstruktur der Parteien nehmen die Wendekinder eine Minderheitenposition ein. Das Wahlverhalten ist ambivalent – im städtischen Bereich profitieren insbesondere Bündnis 90 / Die Grünen von Wählerinnen und Wählern der Altersgruppe, im ländlichen Vorpommern hat die NPD einen überdurchschnittlichen Zulauf. Auch hieraus ergeben sich weitere Untersuchungsfragen, von denen auch Maßnahmen der politischen Bildung, der Präventions- und Aufklärungsarbeit profitieren können. Fakt ist, dass die Altersgruppe für öffentliche Positionen an Bedeutung gewinnt. Dies war bereits in Ansätzen bei der Kommunalwahl 2014 erkennbar. In der ehrenamtlichen Arbeit – politisch und zivilgesellschaftlich – zeichnet sich ein zunehmender Generationenwechsel ab. Wendekinder werden auf der Suche nach neuem Personal für ehrenamtliche Bürgermeister- oder Vereinsposten eine aktive Rolle spielen müssen.

Dies führt zum dritten Punkt: Der Debatte um den Beitrag einer „Dritten Generation Ost“ im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass der Gedanke dieser Generation lebendig ist, auch in Mecklenburg-Vorpommern. Viele der Wendekinder haben sich vielleicht über eine lange Zeit nicht mit ihrer Herkunft oder mit den Erlebnissen aus ihrer Kindheit und Jugend auseinandergesetzt. Etwa, weil sie damit zu tun hatten, ihren Platz in der neuen Gesellschaft zu finden. Heute fragen sie sich jedoch: Was hat der Transformationsprozess mit mir gemacht? Wie habe ich die Umbruchszeit oder die doppelte Sozialisation vor und nach 1989/90 erlebt, wie meine Eltern und Freunde? Im Regionalnetzwerk der „3ten Generation Ost MV“ spielt deshalb auch die Biografienarbeit eine zentrale Rolle. Beim regionalen Generationentreffen im Mai 2014 in Rostock gab es einen entsprechenden Workshop, auf den weitere Veranstaltungen folgen werden. Mit Blick auf die Vergangenheit wird dabei jedoch stets die zukünftige Entwicklung mitgedacht. Diese beiden Perspektiven schließen sich nicht aus, sondern sollten Grundlage unseres Handelns bleiben. Das Regionalnetzwerk kann hierbei Anlaufpunkt für alle Interessierten sein.

Die Verantwortung für die zukünftige Gestaltung unseres Bundeslandes sollte ein Maßstab für unseren Beitrag sein. Die Dagebliebenen der „Dritten Generation Ost“ in MV müssen sich mit den Abgewanderten, Zurückgekommenen und den Zugewanderten dieser Aufgabe bewusst sein und die aktuellen und zukünftigen Probleme gemeinsam angehen. Das „Laboratorium“ Mecklenburg-Vorpommern setzt dabei Kreativität, innovativen Aktivitäten und Projekten positive Rahmenbedingungen. Diese gilt es zu nutzen. Jede und Jeder kann sich einbringen.

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FOTO: Ronny Keller

Aufgewachsen in zwei Kulturen

Netzwerk 3te Generation Ostdeutschland in Mecklenburg-Vorpommern aktiv

- Interview mit Adriana Lettrari -

Die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geborenen Menschen zusammenzubringen und sichtbar zu machen, ist die Idee des Netzwerkes „3te Generation Ostdeutschland“, eine Initiative, die 2010 von neun engagierten Menschen gegründet wurde. Eine der Initiatorinnen war und ist Adriana Lettrari, geboren in Neustrelitz und aufgewachsen in Rostock. Sie fragte sich, warum der Osten, seine Geschichte und seine Zukunft fast ausschließlich von Männern im fortgeschrittenen Alter wie Wolfgang Thierse oder Gregor Gysi vertreten werden. Mittlerweile sind etwa 2.000 Menschen mit dem Netzwerk verbunden – Tendenz steigend. In Mecklenburg-Vorpommern wurde im Juni 2013 ein Regionalnetzwerk gegründet. Gerade wegen eines hohen Durchschnittsalters der hiesigen Bevölkerung sowie einer großen Abwanderung der Dritten Generation Ostdeutschland in den letzten zwanzig Jahren sehen es die Akteure umso notwendiger an, dass sich die Dritte Generation in Mecklenburg-Vorpommern mit den Dagebliebenen, Abgewanderten, Zurückgekommenen aber auch Zugewanderten als die zukünftigen Gestalterinnen und Gestalter des Bundeslandes begreift.

Alles-mv.de wird ab sofort jeden Monat einen Gastbeitrag aus dem Regionalnetzwerk “3te Generation Ostdeutschland” veröffentlichen. Den Auftakt macht Adriana Lettrari, die Fragen zur Arbeit des Netzwerkes beantwortet.

Alles-mv.de: Wer genau verbirgt sich hinter der Dritten Generation Ostdeutschland?

Adriana Lettrari: Zu dieser Generation zählen alle, die nach der Wende im vereinten Deutschland aufgewachsen sind, aber ihre Kindheit oder zumindest Teile davon in der DDR verlebt haben. Es geht um 2,4 Millionen Menschen der Jahrgänge 1975 bis 1985, die heute 29 bis 39 Jahre alt sind. Viele von ihnen haben ihre Herkunftsorte verlassen. Weil sie das selbst entschieden haben oder weil sie mit ihren Eltern weggezogen sind. Sie leben in Westdeutschland, aber auch in der Schweiz oder in den USA.

Warum ist es heute – fast 25 Jahre nach dem Fall der Mauer – wichtig, sich mit der Vergangenheit zu befassen?

Die Dritte Generation Ost ist im Kindes- und Jugendalter in zwei Kulturen aufgewachsen – ähnlich wie Diplomatenkinder, die sich ökonomisch und gesellschaftlich kaum diametraler hätten gegenüber stehen können. Nach der Wende war das gesamte Umfeld von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Wir mussten uns in einer komplett neuen Gesellschaft mit einer vollständig neuen Werte- und Handlungsorientierung zurechtfinden. Dafür gab es keine Anleitung, wir haben es einfach getan. Und bislang wurde auch kaum darüber gesprochen. Es gibt jedoch ein großes Bedürfnis, sich mit diesem Teil der eigenen Biografie auseinanderzusetzen. Das haben wir gemerkt, als wir vor vier Jahren mit der Netzwerkarbeit begonnen haben.

Warum wurde die Vergangenheit so lange ausgeblendet?

Viele Wendekinder distanzieren sich – ob bewusst oder unbewusst – von ihrer Herkunft. Sie schieben das Thema von sich weg. Unserer Ansicht nach liegt das zu einem großen Teil daran, dass es gesellschaftlich nur sehr wenig Raum gibt, sich damit auseinandersetzen. Häufig wird uns sogar abgesprochen, dass diese Vergangenheit noch eine Rolle spielen würde, wir seien doch „westdeutsche Kinder“. Aber das ist Unsinn. Unsere Eltern, die in der DDR sozialisiert sind, sind ja unsere Eltern geblieben. Sie sind natürlich auch durch einen Wandlungsprozess gegangen. Aber der war ja nicht am 9. November 1989 abgeschlossen und uns wurden nicht von einem Tag auf den anderen völlig andere Dinge vermittelt.

Was kann man als Wendekind aus der Beschäftigung mit der eigenen Biografie lernen?

Wir beschäftigen uns damit, dass wir in sehr kurzer Zeit einen sehr einschneidenden Wandel bewältigt haben. Wir fragen uns: Wie habe ich das erlebt? Was hat es für mich und mein Leben bedeutet? Wie fremd- oder selbstbestimmt habe ich mich dabei entwickeln können?

Wir gehen davon aus, dass es so etwas wie eine Transformationskompetenz gibt. Sie entsteht dadurch, dass man die eigene Erfahrung reflektiert und daraus Handwerkszeug ableitet. Um solche Erkenntnisse zu fördern, haben Sie mit anderen Personen das „Netzwerk 3te Generation Ostdeutschland“ gegründet. Wie kann man Mitglied im Netzwerk werden? Braucht es hierfür gewisse Voraussetzungen?

Teilhaben am Netzwerk können grundsätzlich alle interessierten Personen, Projektteams und Organisationen. Diese können entweder ein Projekt bearbeiten oder sich als Kooperationspartner anbieten. Wir sind besonders interessiert an sich neu gründenden Projekten und Organisationen, die aus der besonderen Transformationskompetenz der Wendekinder heraus aktuelle und zukünftige ökonomische, zivilgesellschaftliche, ökologische und soziale Herausforderungen zu Lösungen führen. Aber auch bestehende Initiativen und Institutionen, die den Aufarbeitungsdiskurs Ost-West bisher aktiv (Gedenkstätten, zivilgesellschaftliche Organisationen) getragen haben können uns ansprechen, – wir versuchen, diese einzubinden und sie mit dem Generationszusammenhang („Dritte Generation“) in Verbindung setzen.

Was muss man mitbringen um im Netzwerk aktiv zu werden?

Eigeninitative und Interesse am Diskurs über die Transformation 1989 bis heute – das betrifft für uns nicht nur die DDR, sondern eben auch die Bundesrepublik in ihrem Zusammenspiel zwischen Ost- und Westdeutschland. Ebenso die Bereitschaft, sich selbstverantwortlich einem Thema zu widmen und ein persönlich passendes Format zu finden, um das Thema alleine oder mit anderen zu bearbeiten. Und Inspiration den Deutsch-Deutschen Dialog auch sozial und kulturell zukunftsgerichtet zu gestalten und dabei die Europäische Perspektive mitzudenken (Dialog Ost-/Westeuropa).

Adriana Lettrari wurde 1979 in Neustrelitz geboren und ist aufgewachsen in Rostock. Sie ist Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin und arbeitete bis 2011 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag, als Fraktionsgeschäftsführerin im Landtag Mecklenburg-Vorpommern sowie als Systemische Beraterin bei Königswieser&Network. 2011 gründete sie die Wendekind gUG, die der Initiative 3te Generation Ostdeutschland den rechtlichen Rahmen gibt. Für ihr zivilgesellschaftliches Engagement erhielt sie 2009 den HBS-Engagementpreis der Hans-Böckler-Stiftung. Derzeit promoviert sie in Bremen. Zusammen mit ihren Mitgründern des Netzwerkes 3te Generation Ostdeutschland hat sie 2012 das Buch »Dritte Generation Ost – Wer wir sind, was wir wollen« veröffentlicht, das im Verlag Ch. Links erschienen ist. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wenn plötzlich alles anders ist“.

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Von Heimatlosigkeit und Heimatersatz

Gastbeitrag: Ein ganz persönliches Essay über die Suche nach Identität

- Von Nadja Troi-Boeck –

Nein, eigentlich bin ich nicht heimatlos. Natürlich habe ich eine Heimat, geboren wurde ich 1980 in Rostock. Und doch habe ich den Eindruck, nicht ganz dazu zu gehören oder nicht genau zu wissen, wo ich hingehöre. Das hat meinen Lebensweg geprägt.

In meiner Pubertät, das war Mitte der Neunziger, sprachen wir in der Schulklasse immer wieder darüber, dass wir weg wollten aus Deutschland. Es war beinahe unser Slogan für die Zukunft. Dieser Slogan hatte, aus heutiger Sicht betrachtet, wenig mit einer Abneigung gegenüber Deutschland an sich zu tun, sondern mit dem Gefühl, das uns alle prägte: Mitten in der Zeit, in der Jugendliche am stärksten auf der Suche nach der eigenen Identität als junge Erwachsene sind, waren alle Sicherheiten, die unsere Kindheit geprägt hatten, durch die Wende verschwunden. Unabhängig davon, ob es gute oder schlechte Sicherheiten waren bzw. welche Unfreiheiten mit ihnen einhergingen, erforderte ihr Wegbrechen von allen, ihre Lebensentwürfe neu auszurichten. So begann auch für meine Eltern und für uns Kinder die Suche danach, was uns nun ausmacht, wo wir nun hingehören, dazugehören, in diesem vereinten Deutschland.

Damit einher ging das Gefühl der Unsicherheit, in was für einem Land wir denn nun eigentlich angekommen waren, welche Identitäten wir in diesem Land hatten. Für mich als Kind wurde das besonders spürbar durch die neue Arbeit meines Vaters, die bedingte, dass er während der Woche nicht zu Hause lebte, sondern nur am Wochenende da war. Wichtig waren immer die Gespräche mit meinen Eltern darüber, wie denn die DDR „eigentlich war“, denn ich war noch nicht ganz neun Jahre alt als die Mauer fiel und so prägte mich in der Pubertät das Gefühl, nicht so genau zu wissen, was das für ein Land war, in dem ich aufgewachsen war, aber auch nicht wirklich zu Hause zu sein in diesem neuen Land. Das ist für mich auch ein Grund für unseren Slogan als Jugendliche: Weg aus Deutschland. Es war dieses Gefühl der Heimatlosigkeit, das uns begleitete.

Vielleicht fiel mir auch deshalb das Fortgehen nicht schwer. Während des Studiums ging ich zuerst in die USA, um dort allerdings zu merken, dass ich mich als Europäerin fühlte und nicht als Amerikanerin und dann führte mein Weg in die Schweiz. Und es ist wohl keine Neuigkeit, wenn ich berichte, dass es als Deutsche in der Schweiz nicht ganz einfach ist. Jedes Mal, wenn ich den Mund öffne, ist klar, dass ich nicht dazugehöre, keine Schweizerin bin, denn die jeweils lokalen Dialekte der Schweiz kann ich, obwohl ich seit mehr als 10 Jahren hier lebe, nicht sprechen.
Immer wieder dieses Gefühl, nicht ganz dazu zu gehören, das ich vor allem als eine große Chance erlebe. Als Möglichkeit, einen Blick aus der Außenperspektive einzunehmen, mich ohne große Schwierigkeiten auf Neues einzulassen und mich auch schnell wieder zurecht zu finden, wenn es unerwartete Umbrüche und Ereignisse gibt.
Diese erlebte Heimatlosigkeit hat mir wohl besonders bewusst gemacht, dass nichts von unendlicher Dauer ist. Ich habe erlebt, dass nicht nur Menschen kommen und gehen, Beziehungen beginnen und enden, sondern auch Staaten und Gesellschaften sich grundlegend verändern können.

Doch könnte solche Heimatlosigkeit und das Wissen um die Endlichkeit von allen Dingen nicht auch in den Fatalismus führen? Was macht dann eigentlich noch Sinn? Hier muss ich nun meine andere Geschichte erzählen, die meinen Werdegang bis heute prägt. Es ist die Geschichte meiner persönlichen Suche nach einem Sinn dieser Heimatlosigkeit.
Sie begann mit einem Jugendchor, einem kirchlichen Jugendchor, dem ich 1995 beitrat. Als Kind war ich nicht getauft worden und Religion, Kirche und Glauben spielten in unserer Familie keine Rolle. Letztlich hatte meine Entscheidung, mich mit 18 taufen zu lassen eben etwas mit der Suche nach einer eigenen Identität zu tun. Bewusst wurde mir das erst wirklich, als ich meine Doktorarbeit zum Thema der sozialen Identität schrieb und Menschen dazu interviewte, warum es ihnen wichtig ist, religiösen Gemeinschaften anzugehören.

Alles_mv_de_NadjaTroi_Boeck_PorträtAls Jugendliche wollte ich zuerst einmal dazugehören, fast alle anderen im Jugendchor waren getauft und ich fand es einfach toll, wie wir gemeinsam durch Mecklenburg wanderten und jeden Abend in einer anderen Kirche sangen. Um zum Chor zu gehören und mitzusingen musste ich mich nicht taufen lassen, alle waren willkommen. Aber für mich war die Taufe als Jugendliche ein Zeichen, wirklich dazu zu gehören. Doch schnell merkte ich, dass es doch nicht so einfach war mit dem Dazugehören. Hatte ich vorher nie etwas von evangelikalen Christinnen und Christen gehört, erlebte ich nun, dass es Menschen gab, die zwischen „Glauben“ und „Richtig-Glauben“ unterschieden. Dieser Fanatismus war für mich zutiefst befremdend. Und im Theologiestudium an einer ostdeutschen Universität kam mir immer wieder der Eindruck, ich stünde auf der falschen Seite, denn im Theologiestudium und in kirchlichen Kreisen in Ostdeutschland fanden sich vor 15 Jahren fast ausschließlich Menschen, die zu DDR-Zeiten in der Kirche engagiert gewesen und damit fast immer auch im politischen Widerstand waren. Ich kam aber aus einer Familie, die mit Kirche nichts zu tun hatte. Die Verletzungsgeschichten dieser Menschen müssen Gehör finden, aber ich merkte, wie ich es schwierig fand, mit meiner Geschichte gehört zu werden.

Wieder keine Heimat, auch keine Glaubensheimat, auch deshalb ging ich fort, konnte in den USA verschiedenste Glaubensrichtungen kennenlernen und fand in der reformierten Kirche der Schweiz eine Kirche, die sich als „offene Such- und Weggemeinschaft“ definiert und bekenntnisfrei ist. Eine pluralistische Sichtweise auf Glauben war hier möglich und so war es für mich möglich, hier einen Arbeitsort zu finden.
Und heute bin ich Pfarrerin und doktorierte Theologin und spreche mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden darüber, was sie eigentlich glauben, was ihnen wichtig ist im Leben und was ihnen einen Sinn gibt.

Ohne Kirche, ohne Religion aufzuwachsen, war für mich völlig normal und Menschen, die keiner Kirche angehören sind für mich auch heute sehr wichtige Gesprächspartnerinnen und -partner – gerade auch als Pfarrerin. Denn sie können oft viel unbeeinflusster benennen, wo Theologie, theologische Sprache zu Floskeln verkommt, sie hinterfragen nur Dahergesagtes und fordern mich durch Kritik auch oft heraus, klarer auf den Punkt zu bringen, wie ich Glauben und das Leben im 21. Jahrhundert überein bringe. Und ich bin völlig überzeugt, dass Menschen, die sich nicht als kirchlich oder gläubig bezeichnen, an etwas glauben, ihre eigenen Antworten darauf haben, was das Leben lebenswert macht.

Ist also der Glaube meine Heimat geworden? Heimatersatz? Was mir Sinn auf dieser Suche gab, ist eine Aussage des christlichen Glaubens, dass nichts auf Erden unendlich ist. Es heißt: Wir haben hier keine bleibende Statt. So hatte ich es erlebt und das hatte mich geprägt. Selbst wenn ich Menschen um mich habe, die mir Heimat geben, kann das irgendwann vorbei sein. Und doch habe ich etwas wie Heimat gefunden, die währt, weil sie über mich und uns als Menschen hinausweist, denn die für mich wichtigste Aussage des christlichen Glaubens ist, dass es weitergeht, auch wenn alles dagegenspricht.

Aus entwicklungspsychologischer Sicht gehört das Herstellen von Sinnkohärenz zu einer der Grundkompetenzen, die Menschen entwickeln müssen, um ihr Leben bewältigen zu können. Ist meine Sinnsuche als Wendekind anders verlaufen als sie gewesen wäre, wenn ich die Wende nicht erlebt hätte? Ich kann mir zumindest vorstellen, dass der Aspekt der Heimatlosigkeit mich dann nicht so stark ansprechen würde und ich ihm weniger Positives abgewinnen könnte, als ich es heute tue.

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