Wendekinder in ostdeutschen Landtagen

Projektteam: Martin Koschkar / Adriana Lettrari / Christian Nestler

Zeitraum der Durchführung: Mai bis Juli 2014

Motivation und Ausgangspunkt:

„Im Zuge der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wurde 2009 die Frage der Wendegeneration verstärkt thematisiert. Der Gedanke einer „Dritten Generation Ost­deutsch­land“ wurde seither aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Über einen autobio­gra­­phischen Sammelband meldeten sich Vertreter der Generation 2012 zu Wort. Ob die Wendekinder dabei insgesamt eine „politische Generation“ darstellen, wurde bis jetzt jedoch noch kaum erörtert bzw. erforscht. Auf Basis der rudimentären Generationendefinition lässt sich erkennen, dass im Zusammenhang mit einer eventuellen „dritten Generation Ostdeutsch­land“ in einem geringem Maß von einer „Generationseinheit“ ausgegangen werden kann. Die Eigenschaften der Generation, die auf Umbruchserfahrungen im Kinder- und Jugendalter beruhen, scheinen sich im Zuge der Transformation unterschiedlich entwickelt zu haben. Das Phänomen ähnelt den Beobachtungen David Pollocks und Ruth Van Reken im Bezug auf die „Third Culture Kids“. Die Autoren beobachten eine Varianz in der Persönlichkeitsausprägung bei Diplomatenkindern gegenüber monokulturell Aufgewachsenen.

Das durchgeführte Forschungsprojekt leistet vor diesem Hintergrund einen Beitrag zum bes­seren Verständnis der Generation und den Erfahrungen der Transformation. Hierzu wurden bündnis­grüne Abgeordnete der Dritten Generation Ostdeutschland (Kohorte 1975-1985) aus ostdeutschen Landtagen zum Generationsbegriff, ihren Erfahrungen und etwaigen ausgepräg­ten Kompetenzen im Zuge der Transformation befragt:

    • Wie sehen sie die Generation der Wendekinder?
    • Wie waren ihre biografischen Umbruchserfahrungen und welchen Einfluss hatten sie auf den späteren Werdegang hin zur/m Landesparlamentarier/in?

Im Ergebnis wurde erwartet, dass die Aussagen die Definition bzw. Konzepte zur Generation und der Transformationskompetenz (s.u.) erweitern und belastbarer machen. Darüber hinaus wird es möglich sein die Generation in der Gruppe der ostdeutschen, subnationalen Parla­mentarier zu verorten. Letzten Endes werden die Ergebnisse Anknüpfungspunkte für zukünftige Fragen der Wahl-, Parteien-, Parlaments-, Regierungs- und Politischen Kultur­forschung geben können.“ (Auszug Abschlussbericht)

Wendekinder in den ostdeutschen Landtagen (ohne Berlin) als Landtagsabgeordnete sind derzeit über 130.

Daher hier etwas prominenter Beispiele von Wendekindern in Regierungen (Bund und ostdeutsche Landtage ohne Berlin):

– Manuela Schwesig (SPD, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
– Benjamin-Immanuel Hoff (Die LINKE, Chef der Staatskanzleich und Minister für Kultur, Bundes- und    Europaangelegenheiten in Thüringen)
– Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen, Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz in Thüringen)
– Mathias Brodkorb (SPD; Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in MV)
– Diana Golze (Die LINKE, Arbeits und Sozialministerin in Brandenburg)
– Sebastian Gemkow (CDU, Staatsminister der Justiz in Sachsen)
– Martin Dulig (SPD, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Sachsen)

Koschkar, Martin, Adriana Lettrari und Christian Nestler. 2016. „Grüne Wendekinder“ in ostdeutschen Landtagen. In Die Generation der Wendekinder – Elaboration eines Forschungsfeldes, Adriana Lettrari, Christian Nestler und Nadja Troi-Boeck. X-Y. Wiesbaden: Springer VS.

Projektpartner: Heinrich-Böll-Stiftung und Wendekind gUG


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