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Interview TM

Vater: Sambia
Mutter: Deutschland

Interview mit BP

Konnten Sie problemlos Ärztin werden in der DDR?
Ja. Ich habe Medizin studiert, bin 1995 Fachärztin für Anästhesie geworden und habe mich noch auf Schmerztherapie spezialisiert. Ich hatte keine Probleme, meinen Traum zu verwirklichen – und ich war nicht in der Partei!

Waren Ihre Eltern in der Partei?
Nein, mein Vater kam aus Sambia. Er studierte in der Sowjetunion Medizin, war aber aus dem nichtsozialistischen Ausland. Meine Mama dagegen war so ein glühendes Fanal der Zukunft, wie sie selbst sagte. Sie war in der FDJ und wollte in die Partei eintreten, das hatte mit der Vorerfahrung ihrer Eltern zu tun: Ihr Vater, mein Großvater, war ein Widerstandskämpfer – in Brandenburg ist eine Straße nach ihm benannt worden – und ist in Frankreich gefallen. Er hat für seine Überzeugungen gekämpft. Trotzdem durfte meine Mama nicht in die Partei.

Welche Schwierigkeiten gab es da?
Meine Mama hat an Frieden und Völkerverständigung geglaubt. Doch als meine Eltern verlobt waren, hatte ihre Arbeitsstelle keine Verwendung mehr für sie als Dolmetscherin. Sie wurde auch nicht in die Partei aufgenommen. Viel später erfuhr sie aus ihrer Akte, dass sie nicht tragbar gewesen sei, weil sie mit einem Ausländer verlobt war. Meine Mama hat ein offenes Wesen, glaubt an das Gute. Und dann hat sie das erlebt. Sie ist auch Menschen begegnet, die vor ihr ausgespuckt haben. Unverheiratet und dann ein schwarzes Kind – sie wurde sogar aus ihrem engeren Umfeld gefragt, ob das denn unbedingt sein muss?

Und wie war es für Sie als dunkles Kind?
Ich war der einzige Mensch in der Stadt Brandenburg, der so anders aussah. Fünf Jahre später ist noch ein dunkles Mädchen geboren worden – wir hatten aber keinen Kontakt. Zum Glück wuchs ich in einer fürsorglichen Familie auf. Dazu gehört auch meine starke Großmutter. Ich wurde geliebt und auch ernst genommen. Ich bin ein Wunschkind, kein Zufall, kein Unfall. Und das ist auch ein Wort der Erwähnung wert: Respekt, was diese Frauen Mütter geleistet haben. Wie sie angefeindet wurden. Oder auch Dinge von ihren Kindern ferngehalten haben.

Gab es einen Unterschied, als Sie dann nach Berlin gezogen sind?
Ich ging von der 3. Klasse an auf eine musikorientierte Spezialschule und war im Rundfunk-Kinderchor. Wir waren fleißig, wir waren niedlich und durften beispielsweise zur Eröffnung des Palastes der Republik singen. Meine Kindheit war ziemlich fortschrittlich, gut organisiert – und behütet. Ich war auch Stimmgruppenführerin und durfte bei einem Appell die Fahne tragen. Da sagte dann eine aus dem Chor: „Na, aber sie ist ja nicht so typisch vom Aussehen.” Ich hatte das gar nicht als böse empfunden, denn es war ja eine zutreffende Feststellung, doch der Chorleiter sagte: „Nein, sie ist DDR-Bürger wie alle anderen. Und sie trägt die Fahne.”

Was ist denn für Sie typisch ostdeutsch?
Das „Wir”. Das Gruppengefühl ist für mich typisch ostdeutsch. Der Zusammenhalt und auch die, Unterordnung der persönlichen Interessen unter denen der Gruppe. Dennoch ist ostdeutsch ein komisches Wort, für mich klingt es nach westlicher Abwertung. Also ich war DDR-Bürger. Das ist für mich in Ordnung. Ich identifiziere mich voll mit meiner Ostherkunft.

Finden Sie, dass es einen typisch ostdeutschen Rassismus gibt?
Ja. Eines der großen Probleme in der DDR war, dass man den Leuten nicht zugetraut hat, dass sie irgendwo hingehen, da auch eine Weile sind und dann wieder zurückkommen. Und, dass man ihnen das Denken und Meinungsbilden nicht zugetraut hat. Diese Freiheiten gab es nicht. Die lange Sprachlosigkeit im Osten bewirkt, dass der Umgang mit einer offenen Gesellschaft noch immer gelernt werden muss. Es ist keine Gesprächskultur da. Zu allen Zeiten gab es Migration, sind Menschen losgewandert und haben sich woanders niedergelassen. Sichtbare ausländische Menschen kommen eben nicht nur „zu Besuch“ wie in der DDR, sondern kommen, um hier zu leben. Da fehlt manchen Leuten bis heute das Einsehen. Völkerfreundschaft war ja in der DDR nie die eigene Entscheidung – sondern wurde verordnet. Und so kippte nach der Wende die Art der Auseinandersetzung, und sie wird immer radikaler. Da mischen sich Wut, Unverständnis und, ja, auch Trauer. Da bricht sich die freie Meinungsäußerung auf eigenartige Weise Bahn. Das ist im Westen, glaube ich, anders. Obwohl da das Argument nun auch nicht Frieden und Völkerverständigung, sondern Wirtschaftswachstum ist.

Viele DDR-Bürger reisten damals nicht in die BRD aus, weil sie politisch verfolgt wurden, sondern weil sie ein besseres Leben haben wollten. Müssten nicht gerade DDR-Bürger da Verständnis für Migranten haben?
Genau das finde ich so verwerflich. Plötzlich sind so viele ausgereist, weil sie es angeblich in dem DDR-System nicht mehr ausgehalten haben. Was eben nicht stimmt. Ich kenne zwar auch Leute, die im Gefängnis waren wegen ihrer politischen Haltung – aber das war doch nicht das Gros.

Welche Zuschreibungen haben Sie schon wegen Ihrer Hautfarbe erlebt?
Ich habe vor zehn Jahren erlebt, dass Menschen meine Hautfarbe nicht sehen. Ich bin Ärztin und ein Patient war überzeugt, ich sei weiß und blond. Den Kontext, dass ich schwarz und Ärztin bin, bekam er womöglich einfach nicht zusammen. Auch das ist latenter Rassismus. Dass man davon ausgeht, dass ein Arzt weiß zu sein hat, zumindest im Krankenhaus in Brandenburg. Ich habe aber auch schon früher im Vorpraktikum erlebt, dass ich mal jemanden betten musste, der sagte: „Nimm deine schwarzen Hände von meiner weißen Bettdecke.” Also es gab nicht viele Varianten: Entweder er lässt mich machen oder er bleibt in seiner Scheiße. Die Kollegen von der Station waren da ziemlich aufgebracht.

Und abseits der Arbeit, im Alltag?
Ich bin zum Glück nie in bedrohliche Situationen geraten. Also ich bin nicht misshandelt oder angegriffen worden, wie das anderen das passiert ist. Mich hat keiner angespuckt. Da hatte ich Glück. Ich kenne das eher so verbal – auch damals in den Achtzigern im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, da habe ich öfter erlebt, dass Leute gesagt haben: „Gehen Sie dahin, wo Sie hergekommen sind. Und habe ich geantwortet: „Ja, mache ich, um 14 Uhr, eine Straße weiter.” Denn da wohnte ich. Ich kann damit umgehen und nehme mich nicht so wichtig. Anders war das, wenn ich mit meiner Mutter unterwegs war. Da habe ich mir gewünscht, dass mich keiner beschimpft – weil meine Mutter immer getroffen war und sich geärgert hat. Das hat mich eher belastet.

Lässt es sich heute unbehelligt in Brandenburg leben?
Hier gibt es auch farbige Menschen. Aber ich würde nicht weiter rein in die neuen Bundesländer ziehen. Es gibt Orte, da möchte ich nicht hin; also so schön es etwa am Fleesensee ist, das möchte ich nicht ausprobieren. Oder früher bin ich gern im Elbsandsteingebirge gewandert. Leider ist auch das tabu. Wir wohnen im Speckgürtel von Berlin. In der Schule meines Sohnes, wurden Deckchen gebastelt und ein Kind dekorierte die ganz selbstverständlich mit Hakenkreuzen. Das hat die Lehrerin beunruhigt, mich aber auch. Also alles, was noch nördlicher von uns liegt, meide ich. Meine Schwiegereltern etwa kommen aus Oranienburg, da fahre ich nur mit dem Auto in den Garten, gehe nicht in die Stadt. Man sieht es ja deutlich, wenn Wahlen sind: Hinter der Berliner Stadtgrenze ändern sich schlagartig die Plakate. Als mein Mann noch lebte, haben wir oft gesagt „weiter nördlich gibt es Regionen, da würden wir auch mit zwei platten Reifen durchfahren und auf keinen Fall anhalten“.

Worauf achten Sie, wenn Sie sich außerhalb bewegen?
Ich nutze keine öffentlichen Verkehrsmittel und achte auf die Uhrzeit. Und meine beiden Söhne mahne ich zur Vorsicht: „Setzt die Kopfhörer niemals auf beide Ohren, damit ihr alles aus der Umgebung hört. Und beobachtet die Leute.” Es wurden ja schon Leute aus der Bahn geschubst.

Gibt es bestimmte Orte, an denen Sie fest damit rechnen konnten, stigmatisiert zu werden?
Nein, der Ort ist überall. Deshalb plane ich auch Ausflüge durch. Wenn ich eine Freundin von mir in Rostock besuche, lasse ich von ihr alle Orte checken, zu denen wir wollen.

Und im Westen Deutschlands?
Zum Westen habe ich überhaupt keinen Bezug. Da bin ich naiv und fahre hin. Ich habe dort noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber das bedeutet nichts.

Wann waren Sie zum ersten Mal in Sambia?
Ich hatte mir das immer gewünscht, das war so ein Sehnsuchtsort für mich. Als ich 1990 mit dem Studium fertig war, war ja auch die Mauer weg. Da war ich das erste Mal im Land der Vorfahren, habe meinen Vater besucht und seine Familie kennengelernt und bin herzlich aufgenommen worden. Es gab einige Halbgeschwister. Niemand fand etwas komisch an mir, obwohl ich eine hellere Hautfarbe habe – ich gehörte eben dazu.

War das eine Enttäuschung oder eine Bereicherung?
Ich wollte gerne wissen, wer bin ich, wer meine Vorfahren sind. Meine Vorfahren wohnen mitten im Busch, in einer runden Hütte ohne Fenster, mit Grasdach und kochen über dem offenen Feuer. Die meisten können nicht lesen und nicht schreiben. Also dieses Gefühl, jetzt bin ich angekommen, hatte ich nicht. Aber ich empfand mein Leben als großes Glück: Ich war 25, war mit meinem künftigen Mann schon zusammen, hatte den Beruf, den ich wollte, eine Arbeitsstelle. Meine Omi lebte damals noch. Ich glaube, wenn ich früher dort hingefahren wäre, wäre ich vermutlich sehr enttäuscht und mein Traum zerstört gewesen. Aber das hatte ich nicht. Weil mein Leben woanders stattfand. Hingegen mein Vater, der Fünf-Sterne-Hotels gewöhnt war und einen hohen Lebensstandard hatte, wollte immer zurück. Das war immer seine Heimat. Er wusste immer, wer er war.

Was halten Sie vom korrekten Wording?
Ich kann mit dem Begriff Schwarze Deutsche nichts anfangen. Oder Afrodeutsche. Was soll das? Da werden Menschen auch Afrodeutsche genannt, die gar keine afrikanischen Wurzeln haben. Und überhaupt ist es anmaßend, dass sich ein Land so hoch wertet wie ein ganzer Kontinent. Anders ist das bei Afroamerikanern.

Und Afroeuropäer?
Afroeuropäer ist in Ordnung, wenn mich jemand fragt, bin ich Afroeuropäerin. Schon immer.

Glauben Sie, dass Geschichte sich wiederholen kann?
Ja, kann ich mir vorstellen. Da denke ich an „Das Schlangenei”, einen Film von Ingmar Bergman. Oder an „Hanussen“ mit Klaus Maria Brandauer. Wo den Menschen ihr Schicksal entglitten ist. Da haben mein Mann und ich uns gefragt, ob wir das rechtzeitig erkennen würden, wenn es hier eng wird? Und wir sagten uns, wir brauchen einen Plan B. Das war 1990. Der Moment, wo mein Mann angefangen hat, mir Schmuck zu schenken. Schmuck kann man auf einer Flucht mitnehmen. Und als wir da so brüteten, klingelte es an der Tür und meine Eltern standen davor; mein Vater war wieder aufgetaucht und drückte mir einen sambischen Pass in die Hand. Für alle Fälle. Und jetzt ist wieder so eine Zeit, wo keiner weiß, was Corona mit den Leuten macht. Ich würde mich ins Krankenhaus stellen und meine Arbeit machen, solange ich kann. Aber ich habe auch einen Koffer und ein Radio mit Batterie…

Und? Auch so etwas wie eine Schreckschusspistole?
Ja, habe ich. Die hat mein Mann gekauft nach der Wende, weil ich mich gefürchtet habe. Und ein Pfefferspray, was vermutlich nicht mehr sprüht. Das ist eben ein Arzthaushalt bei mir. Hier gibt es auch abgelaufene Medikamente und nicht mehr klebenden Pflaster …


10 HÄUFIGE KOMMUNIKATIONSFALLEN

Floskeln sind oft unbedachte, mitunter sogar freundlich gemeinte Ansprachen. Nicht selten sollen sie auch als „Komplimente“ verstanden werden. Doch bei Begegnungen im interkulturellen Kontext können aus banalen Phrasen anmaßende, oft auch herabsetzende und verletzende Nachfragen werden. Sie veranschaulichen Stereotype und führen zu Missverständnissen – beim Absender.
Sie wirken zynisch und ätzend, nervig und ermüdend oder sogar schamlos und entwürdigend – auf den Adressaten. Hier eine Phrasen-TopTen, die hilft das eigene Bewusstsein in der Kommunikation etwas zu schärfen.
Gerade im SmallTalk.


Das Team

Das Team

des Foschungsprojektes VOLKSEIGENER RASSISMUS

Wir sind neugierig.
Wir sind offen.
Wir sind ostdeutsch.

„Machen ist wie wollen, nur krasser.“

Jeannette Gusko

Sprecherin Netzwerk 3te Generation Ost

Seit 2015 aktiv im Netzwerk 3te Generation Ostdeutschland, Gründungsgeschäftsführerin der globalen Spendenplattform GoFundMe in der DACH-Region.

Jeannette Gusko ist Expertin, Speakerin und TV-Kommentatorin für politische Kampagnen, Ostdeutschland, gesellschaftlichen Systemwandel, Chancengerechtigkeit sowie digitale Transformation, feministische Aktivistin, Business Angel und überzeugte Sozialunternehmerin. Einige ihrer bisherigen Stationen: 2019 Mit-Initiatorin “Wir sind der Osten”. 2018-2020 Volunteer Finanzen und Strategie Centre for Feminist Foreign Policy. 2012 – 2017 Mitbegründerin der Kampagnenplattform Change.org (Leitung Campaigning & Kommunikation in Deutschland u.a. #neinheisstnein, Panoramafreiheit; globale Marke und Engagement). 2014-2018 Mit-Gründerin Campaign Boo(s)tcamp Deutschland, gefördert von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Jeannette Guskos Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. Raisina Global Governance Fellow 2021, ALDF / Humanity in Action Fellow 2020, LEAD ImpactX-Fellow 2019, The Coaching Fellowship 2018/19, XING Insider seit 2017, Emotion Magazin Nominee 2015, #25Frauen-Award für die digitale Zukunft 2014.

Kristina Kämpfer

Mitglied Netzwerk 3te Generation Ostdeutschland,
Promovierende (University of Oxford)

Kristina Kämpfer ist 1990 in Jena geboren und dort aufgewachsen. Sie studierte Politische Theorie in Berlin und Frankfurt mit einem Schwerpunkt auf Hannah Arendts politischem Denken. Aktuell promoviert sie in Oxford zu Fragen der sozialen Ungleichheit im Finanzsektor.

„Philosophie“

Abini Zöllner

Autorin, Redakteurin

Abini Zöllner, wurde in Ost-Berlin als Tochter einer deutschen Chinesisch-Dolmetscherin und eines nigerianischen Journalisten geboren. Ihre Eltern (die Mutter: Jüdin, der Vater: Yoruba) ließen sie protestantisch taufen und mit drei Religionen groß werden. 1990 war sie Korrespondentin bei der Jungen Welt, seit 1991 Redakteurin bei der Berliner Zeitung. Ihr autobiografisches Buch „Schokoladenkind“ beschreibt ein Stück DDR-Geschichte anhand ihrer Familie.

„Ich würde Nazis niemals wegen bloßer Vorurteile ablehnen – aber stets aus voller Überzeugung.“

Thomas Prennig

Kultursoziologe

Thomas Prennig wurde 1983 in Gera geboren und ist Kultursoziologe. Er lebt und arbeitet in Berlin und in der Lausitz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Qualitative Sozialforschung, Soziologische Theorie und Biographieforschung. Bis 2009 studierte er Diplom-Soziologie an der Freien Universität Berlin. Zwischen 2010 und 2013 war er Kollegiat am Max-Weber-Kolleg in Erfurt und Stipendiat der Jutta-Heidemann-Stiftung. 2018 erhielt er ein Stipendium der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und promovierte an der Universität Erfurt. Seit 2020 ist er Lehrbeauftragter der Humboldt Universität zu Berlin.

„Jusqu'ici tout va bien.“

(Mathieu Kassovitz, aus dem Film „La Haine")

Johanna Wetzel

Promovierende (University of Oxford)

Johanna M. Wetzel ist 1994 geboren und in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) und Berlin-Pankow aufgewachsen. Sie erhielt ihr Abitur von der Rosa-Luxemburg Oberschule und studierte Internationale Beziehungen (BA) und Entwicklungsstudien (MPhil) in Groningen, Niederlande und Oxford, Großbritannien. Derzeit promoviert sie an der Universität Oxford zur Geschichte der Jugend in Mosambik. Sie arbeitet außerdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Globalgeschichte der Universität Potsdam, wo u.a. Kurse zu Vertragsarbeit in der DDR und angewandte Methoden der Oral History (History Dialogues) als Tutorin unterrichtet. In ihrer Freizeit schreibt sie an einer Familienbiografie.

„‘politically conscious’ [is] as much a series of action as a state of being, a constant questioning, questioning as ritual, questioning as exploration rather than the search for certainty”

(Ta-Nahisi Coates. Between the World and Me. 2015. Reclams Universal Bibliothek, pp. 38-39)

Support


Kathleen Heft

Kulturwissenschaftlerin

wissenschaftliche Mitarbeiterin am DeZIM-Institut

Kathleen Heft forscht zu ost-westdeutschen Dominanzverhältnissen und Identitätskonstruktionen in der postmigrantischen Gesellschaft. Zuletzt hat sie zur Ossifizierung des medialen Kindsmord-Diskurses und des Braunen Ostens geschrieben und an einer Studie zur Unterrepräsentation von Ostdeutschen und Migrant*innen in bundesdeutschen Eliten mitgearbeitet. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt stehen Migrant*innen im Mittelpunkt, die in die DDR oder nach Ostdeutschland migriert sind und heute in hohen Führungspositionen tätig sind.

„Ost- und Westdeutschland als wirkmächtige gesellschaftliche Konstrukte ernst nehmen und sie trotzdem dekonstruieren!“

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Rassismus im Alltag

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Struktureller Rassismus

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Interview BP

Vater: Nigeria
Mutter: Deutschland

Interview mit BP

Sie waren ein braunes Kind und hatten eine weiße Halbschwester. Hat Ihre Mutter sie gleichbehandelt?
Nein. Für meine Mutter war ich schon ein Makel. Nach außen hin ist sie stolz mit mir umgegangen. Sie hat sehr darauf geachtet, was andere Leute im Dorf sagen. Aber zu Hause sah das anders aus. Sie hat ziemlich oft gesagt: „Ja, solche Kinder.” Oder: „Da war eine Frau, auch mit so einem Kind.” Also, das war für sie bis zu ihrem Tod ein Thema, dass ihr Kind nicht weiß war. Und ich habe Sätze gehört, wie: „Wenn du nicht gewesen wärst, hätte ich ganz andere Männer haben können.“ Meine Mutter hat allen Frust an mir ausgelassen, hat mich geschlagen, verbal und psychisch, gequält. Mein Stiefvater war der Einzige, der kein Thema aus meiner Hautfarbe gemacht hat. Ich war seine Tochter, und fertig. Der hat mich angenommen und kurz vor seinem Tod, da war ich dann 54, adoptiert.

Ihre Mutter machte Sie verantwortlich dafür, dass ihr Chancen verbaut wurden?
Erstmal das. Und zweitens war ich für sie eben das schwarze Kind. Zum Beispiel: Ich sitze in der Badewanne und habe dunkle Knie. Weil das einfach so ist. Und sie hat die dann geschrubbt bis zum geht-nicht-mehr, in der Meinung, die müssten doch endlich mal sauber werden.

Ihre Mutter hatte also gar kein Verständnis für die Hautfarbe?
Absolut nicht. Und als die Kinder anfingen, mich wegen der Hautfarbe zu hänseln oder zu verprügeln, sagte ich selber: „Mama, ich möchte blond sein.” Da hat sie geantwortet: „Dann können wir die Haare färben.” Dann habe ich gesagt: „Nein, meine Haut soll blond sein.”

Und wie ging Ihre Entwicklung weiter?
Ich habe die zehnte Klasse gemacht, sogar als Jahrgangsbeste. Habe dafür eine Auszeichnungsreise in die Sowjetunion bekommen; und habe dann ein Lehrerstudium begonnen: Unterstufenlehrer, Fachschule. Das habe ich eigentlich gemacht, um meiner Mutter zu gefallen. Einmal sagte ein Schüler: „Die Negerin da vorne hat uns gar nichts zu sagen!” Solchen Dingen wollte ich mich nicht länger aussetzen. Ich habe das Studium abgebrochen. Ich bin dann als Sängerin durch die DDR getingelt, hatte eine Einstufung mit einer Band gemacht, um offiziell auftreten zu dürfen. Und ich lebte endlich in Berlin.  Da war alles ein bisschen anders, da gab es plötzlich etliche Afro-Deutsche. Das fand ich richtig cool. Da begann mein neues Leben.

Hatten Sie eigentlich Vorbilder?
Aus dem unmittelbaren Umfeld gab es keine Identifikationsfiguren. Die Unabhängigkeit als Frau wurde mir eher von der Gesellschaft vermittelt. Meine Oma habe ich zwar geliebt, aber mein erstes Vorbild war natürlich Angela Davis. Und in der Schulzeit habe ich mir alle Artikel über schwarze Menschen ausgeschnitten, habe mich mit Black Music identifiziert, also R ‘n’ B und Soul und viel afro-amerikanische Literatur gelesen. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, weil meine Intention war, irgendwann nach meinem Vater zu suchen.

Wie oft waren Sie dann im Lande Ihres Vaters, in Nigeria?
Ich habe vor der Wende geheiratet, um ausreisen zu können. Nicht, weil ich die DDR schrecklich fand, sondern weil ich sonst keine Möglichkeit gehabt hätte, meinen Vater zu suchen. Nach der Wende war ich zweimal in Afrika.

Und wie waren diese Reisen?
Erst einmal war es enttäuschend, da mein Vater schon tot war. Er ist 1988 verstorben. Und dann war da eine große Familie: Vier Brüder, vier Schwestern und eine Stiefmutter, die mich alle herzlich aufgenommen haben, das war schon okay. Aber die nächste Enttäuschung kam, als ich feststellte, dass ich auch da nicht zu Hause bin. Da haben sie auf der Straße mit dem Finger auf mich gezeigt. Da war ich die Weiße.

Hatten Sie das Gefühl, sich entscheiden zu müssen, wer Sie sind?
Meine Identifikation ist klar Deutsch. Egal, ob ich nach New York fahre, nach Afrika oder hier bin: Ich bin Deutsch sozialisiert. Ich muss mich aber immer erklären. Wenn ich sage „Ich bin in Frankfurt/Oder geboren” gibt es diese Reaktionen „Aha, so etwas gab es im Osten auch?” Also dieses ständige Erklären…
Ein anderes Beispiel: Nach der Wende habe ich im Senat gearbeitet. Und die Kollegen aus dem Westteil der Stadt haben mich oft zur Seite genommen und gesagt: „Sag mal, gehen dir die Ostdeutschen auch so auf den Sack? Die sind doch so jammerig!” Dann habe ich die angeguckt und habe gesagt: „Wieso? Bin ich jammerig?” Mein Spruch war immer: „Ich bin offenbar dreifach gestraft. Ich bin Frau. Ich bin schwarz. Und ich bin Ossi.”

Wie lief es in Ihrem Privatleben?
Ich hatte auch in der DDR erstmal nur deutsche Freunde. Meine Mutter aber hat zu mir gesagt: „Die Typen wollen sowieso alle nur mit dir ins Bett. Oder meinst du, irgendwer stellt dich seinen Eltern vor?” Und ich habe mir dann gezielt, um zur Frau zu werden, einen Afrikaner ausgesucht. Ich hatte so eine Phase, wo ich gesagt habe, ich will nichts mehr mit Weißen zu tun haben. Ich habe später dann auch gelernt, zu differenzieren.

Würden Sie überall wohnen können im Osten Deutschlands?
Nein. Im Osten mache ich nicht mal mehr Urlaub. Nach Berlin-Hellersdorf, Marzahn, Hohenschönhausen oder Lichtenberg würde ich nicht mal zu Besuch gehen. Gleich nach der Wende habe ich mir extra ein Auto gekauft, um meine Eltern besuchen zu können. Weil ich Angst hatte mit der S-Bahn die Strecke durch Marzahn zu fahren: Ich hatte da mehrere Vorfälle erlebt; üble Pöbeleien.

Haben Sie auch mal Beistand oder Zivilcourage erlebt?
Nein.

Gibt es im Westen einen Bezirk, in den Sie nicht ziehen würden?
Neukölln. Da habe ich im Jobcenter gearbeitet. Das ist das andere Extrem. Da hat mich ein Marokkaner, als „Scheiß-N—-“, „Scheiß Ausländer” beschimpft. Woraufhin er dann eine Anzeige von meinem Arbeitgeber bekam und es zur Gerichtsverhandlung kam. Er ist dann verurteilt worden: Geldstrafe oder Haft. Daraufhin kam er postwendend wieder zu uns, legte das Gerichtsurteil hin und sagte, „Hier, wegen euch.” Er wollte vom Jobcenter ein Darlehen.

Sie haben Rassismus also auch durch Nicht-Deutsche erfahren?
Ja. Für einige Kunden war ich „nur“ ein Mischling. Oder andere sagten: „Du bist gerade selber hier eingeflogen und machst jetzt den dicken Max.”  Dann wurde ich von Nicht-Deutschen als Rassist beschimpft. Eine bestimmte Gruppe von Menschen schwingt die Rassismuskeule sehr gerne und sehr schnell. Das ist wie eine Waffe, die nach Belieben geladen wird.

Wo fängt Rassismus für Sie an?
Für mich fängt Rassismus an, wenn mich völlig fremde Menschen fragen: „Woher kommen Sie?”. Und wenn man dann freundlich sagt, „Aus Berlin”, und die Antwort lautet dann: „Nein, ich meine jetzt, so richtig!” – das ist für mich rassistisch.

War der Rassismus im Osten ein anderer?
Ich finde schon. Nach der Wende wurde der Rassismus offener, die Hemmschwellen wurden niedriger. Die Leute haben Rassismus offener – gerade durch die Rechtsradikalen – ausgelebt und zur Schau gestellt. Ich denke, dahinter steckt eine Angst der Menschen: Sie hatten in der DDR fast null Berührung mit Ausländern, hatten kaum Chancen, Leute aus anderen Kulturen kennenzulernen. Die lebten ja in Wohnheimen und waren gettoisiert. DDR-Bürger wussten lediglich: Die Ausländer gingen wieder nach Hause. Die waren „nur zu Gast“. Aber nach der Wende, sind die Fremden plötzlich geblieben. Zumindest da waren die Menschen im Westteil weiter. Die hatten das schon immer. Da waren die stationierten US-Amerikaner, die Gastarbeiter. Da gab es mehr oder weniger ein Zusammenleben.

Und die Rassismus-Debatten in Ost und West – werden sie gleichberechtigt geführt?
Nein. Vor allem nehme ich in solchen Debatten – egal, ob Ost oder West – kaum Schwarze wahr.

Wie finden Sie die Präsenz von beispielweise schwarzen Menschen in den Medien?
Unterrepräsentiert in Filmen, ein paar beim Frühstücksfernsehen – da ist noch lange keine Normalität da. Nur die Werbung identifiziert die Deutschen nicht zwingend als Weiße, Blonde. Die DAK hat zum Beispiel diese Plakat-Aktion gemacht mit einer weißen Frau und einem schwarzen Mann, und wurde dafür angefeindet. Das ist also immer noch nicht selbstverständlich. Aber die DAK hat die Werbung – trotz Anfeindungen – niemals zurückgezogen.

Was halten Sie von political correctness?
Ich merke das im Umgang mit meinen Kollegen. „Ach Gott, wie kann man denn jetzt zu dir sagen?” Ich sage, „Naja, ich habe einen Namen.”